Leseprobe „Das Häuschen am Waldrand“

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Leseprobe „Das Häuschen am Waldrand“

„Endlich allein!“ Jana ließ sich auf ihr altes dunkelblaues Sofa fallen, mitten zwischen die wild zusammen gewürfelten Kissen.

Mit einer lässigen Handbewegung schob sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und parkte sie hinter dem Ohr. Ihre wilden, schulterlangen, blonden Engelslocken hatte sie mit einem Haargummi notdürftig gezähmt. Bei der Wirtschafterei hatten sich ein paar Strähnen aus dem Zopf gelöst. Manchmal war halt nicht alles zu bändigen.

Ihr Ex-Freund gehörte auch dazu. Sie schob den Gedanken an ihn fort, wischte ihn weg, wie eine lästige Fliege.

Ihr Blick versank im Kamin, der direkt vor ihr an der gegenüberliegenden Wand stand. Friedlich züngelten kleine Flammen an einem Stück Holz herum. Wohlige Wärme durchströmte den Raum. Nach diesem harten Umzugstag tat es den müden Gliedern richtig gut, sich von der Wärme ein wenig verwöhnen zu lassen.

Jana war ein Mensch, der es liebte, in Action zu sein. Langeweile war ein Fremdwort für sie. Mit ihren fünfundzwanzig Lenzen hatte sie schon mehr auf die Beine gestellt, als so mancher mit Vierzig. Sie hatte ihre Vorliebe für das Zeichnen und Skizzieren zum Beruf gemacht und den Beruf der Grafik-Designerin erlernt, hatte sogar schon drei Jahre lang direkt in der Werbebranche gearbeitet. Den Umzug des Büros ins Ausland hatte sie gleich für einen generellen Cut genutzt. Ins Ausland wollte sie nicht.

Bei ihren Zeugnissen und Referenzen hatte Brockhard, ihr künftiger Chef und Inhaber von Web-Bro Design, sich buchstäblich die Finger geleckt und sie sofort mit Kusshand eingestellt. Zu Bedingungen, die Jana sich vorher nicht mal erträumt hätte. Sie hatte zugegebenermaßen ein wenig gepokert. Doch Brockhard war darauf eingestiegen.

Gut, dafür musste sie ihr Können nun tatkräftig unter Beweis stellen. Noch vor ihrem ersten Arbeitstag hatte er ihr schon den ersten Auftrag in die Hand gedrückt. Werbung für einen Lebensmittelhersteller. Ansprechend, anschaulich, knapp betitelt.

„Ich weiß schon, das Auge isst mit!“ hatte Jana ihren Chef vorwitzig angeschaut und dafür ein wohlwollendes Nicken kassiert. Entsprechend lustig sah es nun auf Janas Esstisch in der Ecke ihres Wohnzimmers aus – sämtliche Unterlagen, Material, Skizzen, Schriften lagen rings um das Laptop verstreut. Dazwischen verteilten sich verschiedene Stifte, große und kleine Lineale. Irgendwann würde sie dies alles in das noch freie Zimmer neben der Küche verlagern – dort sollte ihr Arbeitsbereich entstehen, wo sie sich nach Lust und Laune entfalten und von der Außenwelt abschotten konnte.

Nein, an die Arbeit wollte sie heute Abend nun nicht mehr denken. Dafür war sie viel zu müde. Die angenehme Kaminwärme verstärkte die Müdigkeit noch um einiges.

Jana zog sich eine Wolldecke heran, kuschelte sich ein. Nach ein paar Minuten dämmerte sie weg.

Ein lautes Knacken ließ sie hochschrecken. Sicher nur der Kamin.

Das Feuer war größer geworden, loderte hell, fraß sich nun durch das gesamte Holz. Explodierte Holzwürmer? Gab es so was? Wie groß musste so ein Wurm dann gewesen sein, wenn er ein so lautes Geräusch verursachte?

Jana musste an das typische Paradebeispiel vom „Schaumkuss in der Mikrowelle“ denken. Wartete man zu lange – Peng! Nur hier war hinterher die Sauerei eindeutig größer als bei der Holzwurmsache im Kamin.

Jana sank zurück in die Kissen, schlummerte nach ein paar Minuten erneut leicht weg.

Vor ihrem inneren Auge tauchte der Kamin auf, in welchem die Flammen seltsam zu tanzen begannen. Plötzlich sprangen sie von dem Holz an den Schamott-Steinen entlang nach vorn zur Glastür, züngelten vorwitzig an der Scheibe entlang. Sie suchten einen Weg nach draußen, tauchten auf einmal nach unten ab, glitten durch die Lüftungsschlitze in den Aschekasten. Schwupps schon entfleuchten ein paar durch die vordere Öffnung des Kastens aus dem Kamin, tanzten über die Fliesen, begannen, am Teppich zu züngeln, am Holz des Schrankes zu nagen. Plötzlich loderte rings um Jana alles hell auf, knackte, knisterte, fraß Holz und Textilien.

Jana riss die Augen auf. Der Kamin war aus. Kein Feuer. Stille. Dunkelheit.

Jana schälte sich aus der Decke, stand auf und tastete sich vorwärts, bis zum Lichtschalter neben der Tür. Sie drückte auf den Schalter, doch nichts passierte. Glühlampe kaputt? Sicherung raus? Ihr fiel ein, dass ja noch überhaupt keine Lampe im Wohnzimmer angebracht war. Taschenlampe? Kerze? Feuerzeug?

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By | 2017-03-17T17:49:46+00:00 25.06.2015|Leseprobe|1 Kommentar

About the Author:

Tina Engel
Tina Engel ist Hobby-Autorin aus Leidenschaft. Ihre inzwischen 14 Romane sind alle im Selbstverlag erschienen und über den gut sortierten Buchhandel und als eBook erhältlich.

Ein Kommentar

  1. Hannes V 13. Oktober 2016 um 11:55 Uhr- Antworten

    Gut gemacht. Spannendes Ende.

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