Leseprobe

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Melina – Mit Anlauf ins Chaos

Melina betrat den Garten der Cafeteria Braun und sah sich suchend um. Unweit von ihr saßen ihre beiden Freundinnen Tanja und Celeste, die die Blonde prompt gutgelaunt zu sich winkten. Die 27-jährige nahm Kurs auf den Vierertisch, begrüßte die beiden Mädchen, die sich nun von ihren Stühlen erhoben, mit herzlicher Umarmung. Aufseufzend ließ Melina sich auf einen der beiden noch freien Stühle fallen.
„Erzähl“, beugte Tanja sich leicht vor.
Melina schloss kurz die Augen, dann schüttelte sie leicht den Kopf: „Ich ziehe das Unglück scheinbar magisch an.“
„Ach, so ein Quark!“ beugte nun auch Celeste sich vor und stützte ihren Kopf auf ihre ineinander verschränkten Finger. Mit ihren drolligen Kulleraugen sah sie die vom Pech verfolgte, geplagte Freundin hoffnungsvoll an: „Du hast nun endlich Schluss gemacht?“
„Ja, ich hatte die Schnauze voll. Björn hat mich nur verarscht. Irgendwann ist genug.“
„Also hat er tatsächlich eine andere?“ wollte Tanja im nächsten Augenblick wissen.
Melina nickte nur und senkte beschämt den Blick.
„Und wie hast du es herausbekommen?“ beteiligte Celeste sich weiter an der Fragerunde.
„Lange dunkle Haare auf seinem Shirt, der Duft eines weiblichen Parfums an seinen Klamotten, dazu sein seltsames Verhalten in letzter Zeit…“
„Und? Hast du eine Bombe hochgehen lassen?“ wollte Tanja wissen.
Die Blonde warf ihre schulterlangen, naturgewellten Haare zurück. Dann sah sie abwechselnd zu der einen und zu der anderen Freundin, ehe sie süffisant eröffnete: „Als er nicht da war, bin ich wie ein tasmanischer Teufel durch seine Wohnung gefegt und habe erst einmal für ein mittelschweres Chaos gesorgt. Natürlich keine Verwüstung im üblichen Sinne, die man auf den ersten Blick erkennt…“
Die beiden Zuhörerinnen rissen ihre Hände hoch und applaudierten begeistert. „Richtig so, und weiter?“
„Ich habe seine sauberen Sachen aus dem Schrank genommen und alle mit Nutella und Marmelade beschmiert, so dass er nun nix Sauberes mehr zum Anziehen hat. Natürlich hab ich dann alles wieder in den Schrank gestopft. Dann hab ich seine Waschmaschine mit pinkfarbenen Färbetabletten gespickt – damit er künftig statt seiner blendend weißen Hosen und Shirts endlich mal etwas farbenfroher angezogen durchs Leben laufen kann…“
Die Mädchen sahen sich an und kicherten. „Alter Schwede!“ erklang es im Chor.
„Sein Bett… wie soll ich sagen…“ – Neugierig waren die Augen der Mädchen auf Melinas Lippen gerichtet. – „Seine Matratze hat sich ein bisschen mit Cola-Light vollgesaugt. So mit etwa neun oder zehn Litern. Genau weiß ich es jetzt nicht mehr – der Kasten war jedenfalls hinterher leer…“
„Aber man sieht es nicht sofort, oder?“
„Wo denkst du hin?“ sah Melina Tanja entrüstet an. „Hab ich alles ganz ordentlich wieder zugedeckt.“
„Das war aber noch nicht alles, oder?“ hakte Tanja nach.
„Ich habe seinen Kaffee versalzen und noch diverse andere Genussmittel ebenfalls“, setzte Melina mit gedämpfter Stimme fort. „In seinen Eiweiß-Shakes schwimmt jetzt mindestens eine Tonne Chillipulver, der Kühlschrank ist auf Abtauen eingestellt, sein Duschbad enthält Juckpulver, sein Aftershave stinkt irgendwie extrem nach Knoblauch…“
Tanja lachte auf. „Ich kann nicht mehr“, prustete sie. „Da hat unsere Madame ja wirklich ganze Arbeit geleistet…“
„Mich verarscht der nie wieder!“ gab Melina boshaft zurück.
„Fraglich, ob der sich überhaupt noch mal traut, wen zu verarschen“, klinkte Celeste sich wieder ein.
Melina winkte ab. „Ach, wenn der sein Chaos beseitigt hat, geht das Spiel von vorne los. Die junge Dame, die er jetzt gerade am Start hat, wird auch wieder nur eine von mehreren sein.“
„Das fürchte ich allerdings auch“, stimmte Tanja ihr zu und strich sich durch ihren frechen schwarz-roten Kurzhaarschnitt.
Vier Monate lang hatte Melina geglaubt, sie sei Björns große Liebe. Beinahe wäre sie sogar bei ihm eingezogen, was er im letzten Moment gerade noch zu verhindern gewusst hatte. Das wiederum hatte Melinas ohnehin schon vorhandenes Misstrauen nur noch mehr geschürt. Langsam fragte sie sich, was sie geritten hatte, sich überhaupt erst auf diesen Schnösel einzulassen.

Gerade, als sie das Glas zur Hand nahm und an dem Strohhalm zog, wurde draußen vor dem Café auf der Straße ein dumpfes Brummen lauter. Die Köpfe der Mädchen drehten sich in Richtung Straße, wo gerade nacheinander vier Harleys anhielten und nebeneinander auf dem breiten Bürgersteig einparkten. Typen vom Wolfheimer Motorradclub. Ihnen eilte nicht gerade der freundlichste Ruf voraus. Man erzählte sich, dass dieser Club dafür bekannt war, nur allzu gern Unfrieden zu stiften. Ganz davon abgesehen, dass jeder im Café die Herren gerade anstarrte, als seien sie Außerirdische mit unheimlicher Mission. Melina amüsierte sich insgeheim darüber. Sie kannte keinen der Männer, die nun direkt ins Café einfielen und sich gleichfalls an einem der Tische im Garten niederließen. Weit genug von den Mädchen entfernt, so dass sie nicht hören konnten, worüber Mann sich unterhielt. Doch nicht weit genug fort, um von den Herren nicht sofort auf anzügliche Art in Augenschein genommen zu werden.
„Fleischbeschau“, bemerkte Tanja leise. Sie war es gewohnt, dass man ihre Oberweite anstarrte. Wer hat, der hat – pflegte sie dann immer zu sagen.
„Die sollen sich ein Schnitzel bestellen und das anstarren“, entgegnete Melina leise und zog wieder an ihrem Strohhalm. Celestes Blick schien eingefroren, scheinbar wollte sie mit dieser Meute nichts zu tun haben. Krampfhaft konzentrierte sie sich auf ihre Cola.
„Bleib mal locker“, flüsterte Melina ihrer Nachbarin zu, wobei sie eine Hand auf die von Celeste legte. „Die bellen nur. Und Hunde, die bellen, beißen nicht – zumindest keine süßen, arglosen Mädels…“
„Wölfe“, berichtigte Celeste leise.
„Egal“, grinste Melina nur. Sie hatte keine Angst vor diesen Typen, die sich scheinbar gerade alle bei der Bedienung ein Bier orderten. Die Kellnerin wies freundlich auf die Motorräder und schüttelte bedauernd den Kopf.
Mutiges Mädchen, dachte Melina für sich und grinste immer noch leicht.
Tatsächlich brachte die Kellnerin jedoch knapp fünf Minuten später vier Flaschen Bier zu der Männerrunde. Und es sah nicht so aus, als würde das Wort „alkoholfrei“ auf den Flaschen stehen.
„Rabauken“, murmelte Melina mehr für sich. Da merkte sie, dass einer der Vier wie zufällig zu ihr herüber schaute. Er nahm sein Bier, lehnte sich zurück und musterte sie nun ungeniert.
Dunkle, kurze Locken, beinahe kindlich niedliches Gesicht, versteckt unter einem Hauch dunkler Bartstoppeln, ein Blick aus drolligen Augen. Er schien der Jüngste unter den Vieren zu sein, obgleich der Dreitagebart ihn etwas älter erscheinen ließ.
Melina wandte sich ihren Freundinnen wieder zu. Beinahe demonstrativ erkundigte sie sich nun bei den Mädels nach dem Wann und Wie des heutigen Abendgeschehens. Nebenbei schlürfte sie ihr Getränk. Dieser Sunnyboy sollte ja nicht denken, dass er sie in irgendeiner Form irritierte oder gar interessierte…

By | 2017-03-17T17:49:46+00:00 30.06.2016|Leseprobe|2 Comments

Leseprobe „Böses Blut“

„Wo bist du gewesen?“ Jessicas Freund Falk tobte vor Wut, als die 24-jährige die gemeinsame Wohnung betrat.

Jessica ließ die Wohnungstür hinter sich ins Schloss fallen, hob müde den Kopf mit den langen blonden Locken und sah ihn fragend an. „Arbeiten?“ hörte er sie nach ein paar Sekunden mit ironisch angehauchter Stimme antworten.

Heute war es mal wieder etwas später geworden. Aber so war das manchmal, wenn ausgerechnet gegen Ende der Sprechstunde noch kranke Patienten in die Praxis kamen. Mal übernahm dann ihre Kollegin Ivy die Assistenz, mal Jessica. Notfalls auch mal beide zusammen, je nach Zulauf oder Arbeitsaufwand.

Jedes Mal die gleiche Leier, stöhnte sie innerlich. Sie stellte ihre Handtasche auf die Ablage neben den Jacken und zog den nassen Parka aus. Der kurze Weg von der Praxis zum Auto hatte schon genügt, um alles vor Nässe triefen zu lassen.

Jessica mochte den Winter nicht. Er war grau, kalt, nass. Entweder regnete es oder es schneite.

Heute regnete es zur Abwechslung mal wieder.

Zum Glück war schon Februar. Jessica konnte es kaum noch erwarten, dass die ersten Frühblüher ihre Köpfchen zaghaft durch die Schneedecke oder den grauen Erdboden steckten.

„Ich habe in der Praxis angerufen, aber da ging keiner ans Telefon“, zischte Falk leicht zynisch.

Jessica verdrehte die Augen und fuhr genervt zu ihm herum: „Stell dir vor, ich war für ein paar Minuten mit im Sprechzimmer, weil der Doktor meine Hilfe brauchte! Muss ich mich jetzt jedes Mal abmelden und rechtfertigen, wenn ich mal für fünf Minuten irgendwo nicht ans Telefon gehen kann? Außerdem nehmen wir nach 18 Uhr in der Regel keine Gespräche mehr an. Aber das solltest du inzwischen langsam wissen!“ Genervt schob sie sich an ihm vorbei in die Küche. Sie hatte Hunger und wollte schauen, ob irgendwas Essbares in der Küche herumstand.

Natürlich nicht.

„Wolltest du nicht einkaufen?“ fragte sie ihn, als sie einen gähnend leeren Kühlschrank vorfand. Fürs Kochen war sie auch zuständig. Und das, obwohl Falk in den letzten vier Wochen jeden Tag den ganzen Tag zu Hause herumgammelte.

Der Kühlschrank war leer, die Wäsche blieb liegen. Aufgeräumt wurde auch nicht.

Langsam reichte es.

„Ich bin krank geschrieben. Meinst du, da turne ich im Supermarkt herum?“ gab er etwas pikiert zurück.

Oh, stimmt, diese schlimme Tendinitis, die einfach nicht besser wird! Aber wie auch, wenn man den ganzen Tag am Zocken ist…

Er hatte eine Sehnenscheidenentzündung, einen sogenannten Tennisarm, den er sich hin und wieder „gönnte“, wenn ihm die Lust zum Arbeiten fehlte.

Jessica hatte keinen Nerv dafür, jetzt noch mal loszufahren und etwas Essbares zu besorgen. „Ich fahre morgen Abend nach der Arbeit direkt zum Supermarkt und besorge das Nötigste.“ Scharf sah sie ihn an. „Und wenn du wieder ausflippst, weil ich später nach Hause komme, war es das letzte Mal, dass ich dir überhaupt irgendwas abgenommen habe! Jedes Mal hältst du mir die Stoppuhr vor die Nase, sobald ich nur ein paar Minuten später heim komme, als DU es dir in deinem kranken Hirn ausgerechnet hast! Langsam komme ich mir hier vor wie im Knast! Mir reicht es!“ Sie war zum Schluss immer lauter geworden.

Und auf das ständige Herumdiskutieren habe ich langsam auch keinen Bock mehr! Als sie sich nun von ihm abwandte und sich mit der Hand müde über die Augen fuhr, trat er plötzlich mit mildem Blick zu ihr und zog sie an sich: „Tut mir leid.“ Besänftigend fügte er noch hinzu: „Und wenn DU einkaufst, haben wir wenigstens alles da – ich vergesse doch eh immer die Hälfte.“

„Dafür gibt es Einkaufszettel!“ knurrte sie.

„Ich kann nicht lesen“, versuchte er zu scherzen.

Genervt befreite Jessica sich von ihm. Sie konnte es langsam nicht mehr hören. „Ich geh in die Wanne.“ Auch wenn es sie nicht satt machte – dort hatte sie wenigstens ihre Ruhe. Ehe er ihr anbieten konnte, sich zu ihr zu gesellen, verließ sie rasch die Küche in Richtung Bad.

 

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By | 2017-03-17T17:49:46+00:00 25.06.2015|Leseprobe|2 Comments

Leseprobe „Das Häuschen am Waldrand“

„Endlich allein!“ Jana ließ sich auf ihr altes dunkelblaues Sofa fallen, mitten zwischen die wild zusammen gewürfelten Kissen.

Mit einer lässigen Handbewegung schob sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und parkte sie hinter dem Ohr. Ihre wilden, schulterlangen, blonden Engelslocken hatte sie mit einem Haargummi notdürftig gezähmt. Bei der Wirtschafterei hatten sich ein paar Strähnen aus dem Zopf gelöst. Manchmal war halt nicht alles zu bändigen.

Ihr Ex-Freund gehörte auch dazu. Sie schob den Gedanken an ihn fort, wischte ihn weg, wie eine lästige Fliege.

Ihr Blick versank im Kamin, der direkt vor ihr an der gegenüberliegenden Wand stand. Friedlich züngelten kleine Flammen an einem Stück Holz herum. Wohlige Wärme durchströmte den Raum. Nach diesem harten Umzugstag tat es den müden Gliedern richtig gut, sich von der Wärme ein wenig verwöhnen zu lassen.

Jana war ein Mensch, der es liebte, in Action zu sein. Langeweile war ein Fremdwort für sie. Mit ihren fünfundzwanzig Lenzen hatte sie schon mehr auf die Beine gestellt, als so mancher mit Vierzig. Sie hatte ihre Vorliebe für das Zeichnen und Skizzieren zum Beruf gemacht und den Beruf der Grafik-Designerin erlernt, hatte sogar schon drei Jahre lang direkt in der Werbebranche gearbeitet. Den Umzug des Büros ins Ausland hatte sie gleich für einen generellen Cut genutzt. Ins Ausland wollte sie nicht.

Bei ihren Zeugnissen und Referenzen hatte Brockhard, ihr künftiger Chef und Inhaber von Web-Bro Design, sich buchstäblich die Finger geleckt und sie sofort mit Kusshand eingestellt. Zu Bedingungen, die Jana sich vorher nicht mal erträumt hätte. Sie hatte zugegebenermaßen ein wenig gepokert. Doch Brockhard war darauf eingestiegen.

Gut, dafür musste sie ihr Können nun tatkräftig unter Beweis stellen. Noch vor ihrem ersten Arbeitstag hatte er ihr schon den ersten Auftrag in die Hand gedrückt. Werbung für einen Lebensmittelhersteller. Ansprechend, anschaulich, knapp betitelt.

„Ich weiß schon, das Auge isst mit!“ hatte Jana ihren Chef vorwitzig angeschaut und dafür ein wohlwollendes Nicken kassiert. Entsprechend lustig sah es nun auf Janas Esstisch in der Ecke ihres Wohnzimmers aus – sämtliche Unterlagen, Material, Skizzen, Schriften lagen rings um das Laptop verstreut. Dazwischen verteilten sich verschiedene Stifte, große und kleine Lineale. Irgendwann würde sie dies alles in das noch freie Zimmer neben der Küche verlagern – dort sollte ihr Arbeitsbereich entstehen, wo sie sich nach Lust und Laune entfalten und von der Außenwelt abschotten konnte.

Nein, an die Arbeit wollte sie heute Abend nun nicht mehr denken. Dafür war sie viel zu müde. Die angenehme Kaminwärme verstärkte die Müdigkeit noch um einiges.

Jana zog sich eine Wolldecke heran, kuschelte sich ein. Nach ein paar Minuten dämmerte sie weg.

Ein lautes Knacken ließ sie hochschrecken. Sicher nur der Kamin.

Das Feuer war größer geworden, loderte hell, fraß sich nun durch das gesamte Holz. Explodierte Holzwürmer? Gab es so was? Wie groß musste so ein Wurm dann gewesen sein, wenn er ein so lautes Geräusch verursachte?

Jana musste an das typische Paradebeispiel vom „Schaumkuss in der Mikrowelle“ denken. Wartete man zu lange – Peng! Nur hier war hinterher die Sauerei eindeutig größer als bei der Holzwurmsache im Kamin.

Jana sank zurück in die Kissen, schlummerte nach ein paar Minuten erneut leicht weg.

Vor ihrem inneren Auge tauchte der Kamin auf, in welchem die Flammen seltsam zu tanzen begannen. Plötzlich sprangen sie von dem Holz an den Schamott-Steinen entlang nach vorn zur Glastür, züngelten vorwitzig an der Scheibe entlang. Sie suchten einen Weg nach draußen, tauchten auf einmal nach unten ab, glitten durch die Lüftungsschlitze in den Aschekasten. Schwupps schon entfleuchten ein paar durch die vordere Öffnung des Kastens aus dem Kamin, tanzten über die Fliesen, begannen, am Teppich zu züngeln, am Holz des Schrankes zu nagen. Plötzlich loderte rings um Jana alles hell auf, knackte, knisterte, fraß Holz und Textilien.

Jana riss die Augen auf. Der Kamin war aus. Kein Feuer. Stille. Dunkelheit.

Jana schälte sich aus der Decke, stand auf und tastete sich vorwärts, bis zum Lichtschalter neben der Tür. Sie drückte auf den Schalter, doch nichts passierte. Glühlampe kaputt? Sicherung raus? Ihr fiel ein, dass ja noch überhaupt keine Lampe im Wohnzimmer angebracht war. Taschenlampe? Kerze? Feuerzeug?

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By | 2017-03-17T17:49:46+00:00 25.06.2015|Leseprobe|1 Kommentar

Leseprobe „Plötzlich allein“

Im Dunkel jener lauen Sommernacht jagte ein Rettungswagen zwischen den Feldern über die einsame, sich beinahe endlos dahin schlängelnde Landstraße. Schon von weitem zogen Blaulicht und Martinshorn alle Aufmerksamkeit auf sich. Wieder einmal ging es um Leben und Tod. Das Fahrzeug erreichte seinen Einsatzort: Ein Feld mitten im Nichts zwischen zwei weit auseinander gelegenen Ortschaften.

Was war passiert?

Das Blaulicht begann, vor Beates Augen zu schwimmen. Sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Blick war leer und teilnahmslos. Menschen liefen die ganze Zeit aufgeregt herum und diskutierten. Die meisten wurden erst etwas ruhiger, nachdem endlich der erste Rettungswagen am Straßenrand gehalten hatte. Ihm entsprangen mehrere Personen, die sich sofort einen groben Überblick über die Situation verschafften, sich absprachen und aufteilten. All das nahm Beate nicht wirklich wahr.

Erst nach einer ganzen Weile hob sie langsam den Kopf. Aufgrund der Dunkelheit war es sehr schwer, um sich herum überhaupt etwas zu erkennen. Das Blaulicht des Krankenwagens irritierte sie. Was, verdammt noch mal, war passiert? Sie hatte entsetzlich geschrien.

Aber warum?

Beate spürte einen ziehenden Schmerz in ihrer linken Hand. Sie musste sich an einer scharfen Kante geschnitten haben. Die Hand war voller Blut. Der Kopf schmerzte stark, dröhnte regelrecht. Nach und nach realisierte sie, dass ihr ganzer Körper ein einziger Schmerz war.

Ein Mann mit Reflektoren an der Kleidung kam zu ihr und fragte sie irgendetwas. Seine sonore Stimme drang wie durch eine dicke Wolldecke zu ihr. Dumpf und kaum verständlich. Erst, als er eine Hand auf ihre Schulter legte, zuckte sie zusammen, wurde aus ihrer Benommenheit gerissen. Sie realisierte, dass sie auf dem Beifahrersitz eines fremden Wagens saß oder vielmehr hing, zitternd, die Beine an den Körper herangezogen, die Füße auf der Türschwelle des Wagens.

Wie war sie hier her gekommen?

Da klang wieder die Stimme dieses Mannes wie aus der Ferne zu ihr. Er fragte nach ihrem Namen und wo sie Schmerzen hätte. Als sie nicht antwortete, sah der Mann sich zunächst ihren Kopf und die Hand mit Hilfe einer kleinen Lampe genauer an. Beate stöhnte auf. Er gab den Sanitätern einen Wink und ließ eine Trage heranschaffen, auf welche Beate nun vorsichtig gebettet und fortan liegend versorgt wurde. Verwirrt schloss sie die Augen.

„Was ist mit den anderen?“ fragte sie leise, einer plötzlichen Eingebung gewahr werdend, dass sie nicht die einzige Verletzte zu sein schien.

„Darüber unterhalten wir uns später“, hörte sie den Arzt noch sagen, ehe die Sanitäter sie zum Rettungswagen brachten. Inzwischen waren noch zwei weitere Rettungsfahrzeuge eingetroffen.

Beunruhigt bäumte Beate sich auf, wurde von einem der Männer jedoch sofort wieder zum Liegen gebracht.

Olli! durchfuhr es sie heiß.

Wo war er?

„Olli…“ Sie verlor das Bewusstsein.

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By | 2017-03-17T17:49:46+00:00 02.02.2015|Leseprobe|1 Kommentar

Leseprobe „Nacht mit Folgen“

Die Weser war mal wieder etwas über die Ufer getreten. Rauschend bahnte sie sich ihren Weg durch die Landschaft und am Rande dieser Kleinstadt entlang. Die Stadt, deren Häuser und Gassen im Schein des Vollmondes nicht ganz in Dunkelheit getaucht waren. Die Stadt, die in dieser Samstagnacht mitten im März wie immer noch längst nicht schlief, obwohl es schon weit nach Mitternacht war.

Ein paar Meter vom Wasser entfernt saß auf einer Bank eine in sich zusammengesunkene Gestalt. Lange saß sie so da, rührte sich nicht, interessierte sich nicht für das gruselige Bild, das der leicht ausschweifende Fluss wenige Meter weiter zu dieser Stunde bot.

Erst nach einer Weile hob sie ihre rechte Hand, in der sie eine halbleere Whisky-Flasche hielt. Die hatte sie vorhin nach dem Zoff mit Stefan auf ihrer Flucht nach draußen gerade noch geschnappt. Dann war sie abgehauen… weg von dieser Feier.

Lea nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und schüttelte sich kurz. Pur schmeckte das Zeug ihr eigentlich gar nicht, aber im Augenblick schien es ihren Schmerz erträglicher zu machen. Tränen liefen über ihr Gesicht.

Warum hatte er ihr das angetan? Der Abend hatte so toll begonnen. Lea war zusammen mit ihrem Freund Stefan zu dieser Geburtstagsfeier von Cora gegangen. Sie waren mit die ersten Gäste gewesen, aber schon unter den wenigen Leuten hatte sich eine Super-Stimmung breit gemacht. Nach und nach waren immer mehr Gäste dazugekommen.

Lea hatte mit der einen oder anderen Bekannten erzählt, gelacht, getanzt, war hin und wieder im Arm ihres Freundes gelandet. Alles war in Ordnung gewesen. Doch einige Stunden später hatte sich das Blatt plötzlich um hundertachtzig Grad gewendet. Stefan hatte inzwischen nicht nur reichlich getrunken, man erkannte ihn so gar nicht wieder. Da war ein hübsches langhaariges Mädel auf der Party aufgetaucht, Lea hatte sie noch nie auf einer der Partys gesehen. Was Lea mehr und mehr beunruhigte, war, dass Stefan auf einmal nur noch Augen für dieses andere Mädchen hatte. Er hielt sich ständig in ihrer Nähe auf, flirtete mit ihr, redete, lachte… mit der anderen. Lea war plötzlich abgeschrieben. Er lief an ihr vorbei, als würde er sie gar nicht kennen, er ignorierte Lea einfach. Das tat verdammt weh. Sie war seit zwei Jahren mit Stefan zusammen. Sie hatten sich zwar schon öfter gestritten, aber so etwas Demütigendes hatte sie während der gesamten Dauer ihrer Beziehung noch nicht erlebt. Lea hatte sich das Geflirte eine ganze Weile angesehen und versucht, es gelassen zu nehmen, aber dann reichte es ihr doch irgendwann. Sie stellte sich einmal Stefan direkt in den Weg, als er mal wieder der Fremden nachlief und ihr was zu trinken bringen wollte. „Kannst du dich noch daran erinnern, mit wem du hergekommen bist?“ versuchte sie es höflich. Er tat, als würde er überlegen, aber dann grinste er plötzlich breit. „Nö.“ Als er ihren geschockten Blick sah, meinte er gleichgültig: „Hey, lass mich einfach in Ruhe, geh mir nicht auf die Nerven, okay?“

„Ach, störe ich dich beim Baggern?“ zischte sie sauer. Er lachte und schaute sie gleichgültig an. „Ich will lediglich ein bisschen Spaß. Warum zickst du also so rum?“

Da packte sie ihn am Arm: „Ein bisschen Spaß?“ Sie lachte trocken auf. „Hör mal, ich bin nicht das dumme Mädchen, das man in die Ecke abschieben kann, wenn man gerade keinen Bock drauf hat. Wenn du nicht deine Finger von dem Blondchen lässt, dann gibt es Theater…“ – „Was willst du eigentlich? Spiel dich hier nicht so auf, du bist nicht allein hier“, fuhr er sie an. „Du bist echt peinlich!“

„Wie bitte?!“ glaubte sie, sich verhört zu haben. „Wer benimmt sich denn hier unter aller Sau?“ Er hob nur gleichgültig die Schultern und ließ sie stehen. Zum Diskutieren war er schon zu voll, zum Anbaggern aber noch lange nicht…

Lea stand da und spürte, wie einige der Leute sie amüsiert anstarrten. Sie kam sich vor wie in einem falschen Film. Da kam Cora zu ihr: „Lass ihn, er schnallt doch eh nichts mehr heute.“ Sie hielt Lea ein volles Glas hin. „Komm, stoß mit mir an.“

In Leas Kopf herrschte Chaos. Warum war er auf einmal so gefühlskalt zu ihr? Hatte ihm jemand was ins Getränk gemischt, hatte er sich was durch die Nase gehen lassen oder hatte irgendjemand ihm einen Floh ins Ohr gesetzt über irgendwas, was nicht stimmte? Er war doch sonst nie so?

 

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By | 2017-03-17T17:49:47+00:00 27.01.2015|Leseprobe|1 Kommentar